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After the Fact
Propaganda im 21. Jahrhundert
30. Mai bis 17. September 2017
Lenbachhaus | Kunstbau

Die beste Propaganda erscheint im Gewand des Entertainments. (N.J.O'Shaughnessy)

Propaganda wird gemeinhin als eine für die aufgeklärte Öffentlichkeit durchschaubare und eher krude Strategie der Manipulation verstanden, die in totalitären oder autoritären Staaten stattfindet. Im Westen denkt man an den deutschen Nationalsozialismus, das Stalinistische Russland oder Nordkorea und den sogenannten Islamischen Staat.

Mit dem 21. Jahrhundert beginnt eine neue Ära der Propaganda. Geopolitische Ereignisse wie der von Georg W. Bush erklärte "War on Terror", die Kriege im Nahen Osten und die Einführung der Gemeinschaftswährung der Europäischen Union, begleitet von der aggressiven Globalisierung nach 1989 und der rasanten Entwicklung der digitalen Technologien, haben über die Jahre zu verhärteten – und als verhärtet dargestellten – Fronten geführt: Kontrastpaare wie Freiheitskämpfer und Terroristen, Wutbürger und Lügenpresse, politische und wirtschaftliche Flüchtlinge, die Europäische Union als "Wunschziel" (für viele Geflüchtete) und Fluchtgrund (Brexit) prägen die öffentliche Diskussion.

Zuletzt hat der weit verbreitete Einsatz von rechtskonservativen Verschwörungstheorien in den USA die ideologischen Koordinaten von Institutionen sichtbar gemacht, die lange als neutral und objektiv betrachtet wurden. Die Präsenz von ideologischer Propaganda und Kontrollmechanismen in allen Lebensbereichen ist in Form von Begriffen wie dem Postfaktischen, den "Fake News" und den "alternativen Tatsachen" in der breiteren Öffentlichkeit zum Tragen gekommen.

Das Ausstellungsprojekt "After the Fact" möchte den Propagandabegriff vor dem Hintergrund gesellschaftlicher, politischer und medialer Entwicklungen des 21. Jahrhunderts neu betrachten. Dabei soll Propaganda nicht als selbstverständliches Übel betrachtet werden, als krude, als erkennbar, als passé, sondern als komplexes und potenziell so hilfreiches wie problematisches Denk- und Analysewerkzeug. Dementsprechend finden die in der Ausstellung vereinten künstlerischen Arbeiten unterschiedlichen, mal expliziten, mal abstrakten Umgang mit heutigen Formen von Propaganda und den porösen Grenzen zwischen Realität und Fiktion, die dem digitalen Zeitalter zu eigen sind. "After the Fact" reflektiert die Auseinandersetzung mit dem Propagandabegriff als Möglichkeit für aktuelle künstlerische und politische Diskurse und die Kunst sowohl als mögliches Vehikel und Hindernis für unterschiedliche Arten von Propaganda.

Begleitprogramm:

Öffentliche Führungen
Sonntag, 4. und 18. Juni, 2., 9., 16., 23. und 30. Juli, 6., 20. und 27. August, 10. und 17. September 2017, jeweils 14:00

Kuratorenführungen
Dienstag, 13. Juni, 18. Juli, 8. August, 5. September 2017 (in Englisch), 12. September 2017, jeweils 18:00

Dienstag, 20. Juni und 22. August 2017, 18:00

Führungen mit...
… dem Künstler Franz Wanner und Martina Oberprantacher, Kunstvermittlerin am Lenbachhaus.

Dienstag, 29. August und 5. September 2017, 18:00
Führungen mit...
… dem politischen Pädagogen Damian Groten, Bildungskollektiv "Die Pastinaken", und Martina Oberprantacher, Kunstvermittlerin am Lenbachhaus.

Workshops

Ortsanalysen | Mit dem Künstler Franz Wanner
Sonntag, 4. Juni 2017, 11:00
Innovationscampus und ehemaliges NS-Arbeitslager in Ottobrunn

Sonntag, 18. Juni 2017, 11:00
Schutzmauer vor Flüchtlingsunterkunft in Neuperlach

Dienstag, 1. August 2017, 19:00
Abschlusspräsentation im Kunstbau, Lenbachhaus

Gelenkt, gesteuert, gelogen!
Wie Verschwörungsdenken und Fake News funktionieren. Ein Workshop mit dem Bildungskollektiv "Die Pastinaken".

Samstag, 2. September 2017, 14:00
Empfohlen für politisch interessierte Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren.

Samstag, 9. und 16. September 2017, 14:00
Empfohlen für politisch interessierte Erwachsene

Anmeldung ist erforderlich unter kunstvermittlung-lenbachhaus (at) muenchen.de.

Dienstag, 25. Juli 2017, 19:00
Filmvorführung | "Das letzte Loch ist der Mund / The Mouth – Our Ultimate Prison"
Filmvorführung mit Klaus Erich Dietl, Regisseur des Films, Filmemacher und Künstler, im Gespräch mit Zara S. Pfeiffer, Politikwissenschaftlerin und Autorin. Eintritt frei.
 
Mittwoch, 28. Juni und 30. August 2017, jeweils 10:30
Frischgebacken!
Frischgebacken! ist ein geführter Rundgang durch die Dauer- und Sonderausstellung für Erwachsene mit Babys. Kein strenger Ablauf. Kein vorgegebener Plan diktieren den gemeinsamen Rundgang, sondern die Interessen und Bedürfnisse der Teilnehmenden – ob Stillpausen oder Babygeschrei. Anmeldung erforderlich.


Abb.: Coco Fusco, A Room of One's Own: Women and Power in the New America (Ein eigenes Zimmer: Frauen und Macht im Neuen Amerika), Performance, Whitney Biennial 2008; Photo Eduardo Aparicio. Courtesy der Künstlerin und Alexander Gray Associates / Courtesy the artist and Alexander Gray Associates, New York © VG Bild-Kunst, Bonn, 2017.


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