Home  JJM Never Walk Alone

Neue Ausstellung

Never Walk Alone
Jüdische Identitäten im Sport
22. Februar 2017 bis 7. Januar 2018

Jüdisches Museum München

"You'll Never Walk Alone." Dass gerade dieses Lied, einst komponiert von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein für das Musical Carousel, zu einer Hymne des Sports geworden ist, überrascht wenig. Die Frage nach Zugehörigkeit stellt sich in der Sportarena genauso wie in der sie umgebenden Gesellschaft. Die Ausstellung "Never Walk Alone. Jüdische Identitäten im Sport" nähert sich diesem komplexen Gegenstand der Zugehörigkeit, indem sie Sportlerinnen und Sportler jüdischer Herkunft auf der Spielfläche fokussiert.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Sportbegeisterung in der deutschen Gesellschaft unaufhaltsam zu. Die Vorstellungen vom modernen, gesunden und wohlgeformten Körper waren eng mit sportlicher Ertüchtigung und Disziplin verbunden. Wer genug trainierte, konnte durch körperliche Leistungen Anerkennung erlangen. Diese Entwicklung bot auch Deutschen jüdischer Herkunft viele Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Integration und zum sozialen Aufstieg. Im Turnen und Fechten, aber auch im Schwimmen und Bergsteigen oder ganz englisch im Tennis, Fußball oder Boxen taten sich Athletinnen und Athleten jüdischer Herkunft hervor. Sportliche Leistungen und Erfolge waren nicht nur ein wesentliches Mittel zur Entwicklung und Festigung moderner jüdisch-deutscher Identitäten, sondern entzogen antisemitischen Stereotypen von der körperlichen Unterlegenheit den Boden.

Die Frage nach Zugehörigkeit besteht nicht nur für Sportlerinnen und Sportler, sondern auch für deren Fans. Die Verbundenheit, die Beziehung, die Anerkennung für einen Sportler oder einen Verein unterstützen die eigene Selbstwahrnehmung und führen zu einen Gefühl des Wohlbefindens und der Sicherheit – immer unter dem Vorbehalt, dass der Wunsch nach Zugehörigkeit von einem Gegenüber angenommen und ermöglicht wird. Es braucht immer zwei Seiten, die einander bedingen. Zugehörigkeit versus Ausgrenzung, Inklusion versus Exklusion. Der Galerist Alfred Flechtheim und seine Boxleidenschaft, der Sport- und Modehaus-Inhaber Fritz Adam und seine Förderung von Polarexpeditionen, der Komponist Arnold Schönberg und seine Tennis-Notation oder auch der Rechtsanwalt Gert Rosenthal und sein Traum von einer "jüdisch-deutschen Damen-Feldhockeymannschaft" zeigen avantgardistische, traditionelle, witzige und originelle Ausprägungen der Sportbegeisterung in der Fankurve. Aktuelle Fan-Ideen werden hier genauso diskutiert wie die Verwendung der Begriffe "Jude" und "Yid" in der Sportarena.

Wer wie und in welchem Maß am Sport teilhaben kann oder darf, ist nicht beliebig. Durch die Betrachtung der jeweiligen Zugehörigkeit bildet sich viel über die Selbstwahrnehmungen von Sportlerinnen und Sportlern jüdischer Herkunft ab, aber auch über die Zuschreibungen von außen. Und dieser besondere Blickwinkel auf das Spielfeld zeigt die Vielfalt der Optionen "sportlich und jüdisch" zu sein – bis heute.


Abb.: Die Ringer Julius (links) und Hermann Baruch vor der Sammlung ihrer Medaillen, Pokale und Urkunden. Bad Kreuznach, um 1927. Baruch-Archiv, Wiesbaden.



 zurück zur Startseite

Veranstaltungskalender

< Februar - 2018 >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28