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Hans Haacke - Gift Horse
27.04.2017 - 20.08.2017

Das Haus der Kunst freut sich, Hans Haackes gefeierte Monumentalplastik Gift Horse (2015) in seinen Räumen zeigen zu können. Ursprünglich im Auftrag der City of London als zehnter Beitrag für den Skulpturensockel "Fourth Plinth" am Trafalgar Square entstanden, wurde dieses Werk inmitten hitziger Debatten über die Ausgabefreudigkeit der Stadtverwaltung in Zeiten eisernen Sparens während der Finanzkrise enthüllt und dadurch auch in einen Zusammenhang mit den aktuellen sozialen und politischen Verhältnissen überall auf der Welt gebracht. So gesehen hätte Gift Horse zu keinem sinnfälligeren Zeitpunkt entstehen können. Die Bronzeplastik stellt, basierend auf einer Radierung des englischen Malers George Stubbs, ein Pferdeskelett ohne Sattelzeug dar. Ein elektrisches, an einem Vorderbein des Pferdes befestigtes Laufschriftband zeigt in Echtzeit übertragene Kurse der Londoner Aktienbörse an, die in München durch einen Live-Ticker der Frankfurter Börse ersetzt werden. Die Arbeit nimmt unmittelbar Bezug auf ein nie ausgeführtes Reiterstandbild von König Wilhelm IV., das ursprünglich für den Sockel vorgesehen war, und versinnbildlicht das Zusammenwirken von Reichtum, Macht und imperialer Geschichte. Wie Haacke erläutert, entstand sein Projektvorschlag aus der eingehenden Auseinandersetzung mit dem Ort und der Bedeutung des Denkmals für die politische Repräsentation: "Ich wurde als einer von sechs Künstlern eingeladen, einen Vorschlag für den vierten Sockel an der nordwestlichen Ecke des Trafalgar Square einzureichen. Der Sockel stand seit 150 Jahren leer. Georg IV., dessen Reiterstatue einen Sockel an der Nordostecke ziert, hatte in seiner Regierungszeit so viel Geld ausgegeben, dass es unter dem Nachfolger, seinem jüngeren Bruder Wilhelm IV., nicht mehr für einen Ritt auf dem Bronzepferd reichte. Nachdem ich mehrere Einfälle verworfen hatte, schien mir eine Bezugnahme auf den Brauch, Herrscher auf Pferderücken zu verewigen, angebracht. (Ich bin nicht der erste Fourth Plinth-Künstler, der das tut.) Meine Verewigung sollte ein Pferdegerippe mit Live-Verzierung sein – und keinen Reiter haben. Zum Projektvorschlag für den Fourth Plinth gehörte ein Bild, dem man entnehmen konnte, wie das Ganze am Ende aussehen würde. Da ich keinerlei Kenntnis von Pferdeskeletten besaß (auch was das angeht, bin ich wohl nicht der einzige), fragte ich eine Bibliothekarin, ob sie einschlägige Publikationen kannte. Sie verwies mich auf The Anatomy of the Horse von George Stubbs. Von meinen Besuchen in der Tate kannte ich Stubbs als Maler von Pferden und englischen Adeligen auf Pferderücken. Aber mir war neu, dass er als Sohn eines Gerbers eigenhändig Pferde seziert und seine Beobachtungen als Radierungen in diesem Buch veröffentlicht hatte. Dann fand ich heraus, dass gleich in nächster Nähe des Trafalgar Square ein Porträt von Whistlejacket, einem sich aufbäumenden Araberhengst, das sein Besitzer Charles Watson-Wentworth, zweiter Marquis von Rockingham, in Auftrag gegeben hatte, in einem großen Saal der National Gallery hängt. Dieser Marquis war ein Whig und zweimaliger Premierminister und laut Wikipedia 'selbst nach den Maßstäben dieser wohlhabenden Kreise außergewöhnlich reich'. Ob Gift Horse nun ein Denkmal oder ein Mahnmal ist – betrachten Sie es vielleicht einfach als meine Reverenz an die City, die Wallstreet von London." Nach seiner erfolgreichen Enthüllung in London wird Gift Horse in Absprache mit Haacke am Haus der Kunst in der monumentalen Mittelhalle gezeigt, um so eine weitere Ebene der Resonanz auf die für viele europäische Plätze und Gebäude bestimmende öffentliche Machtdarstellung zu eröffnen. Denn diese Plastik ist insbesondere in ihrer Anknüpfung an zeitgenössische Zurschaustellungen von Macht, Wert, Reichtum und politischem Gedächtnis interessant. Unmittelbar beim Betreten der Mittelhalle im Haus der Kunst werden die Besucher mit dem, auf einem monumentalen Sockel aufgestellten Gift Horse, als eine Antwort auf die zeremoniell aufgeladene und propagandistische Vergangenheit der ehemaligen Ehrenhalle konfrontiert. Es steht in Erinnerung an die zeremonielle und propagandistische Funktion der ehemaligen Ehrenhalle auf einem wuchtigen Piedestal. Die skulpturale Qualität von Haackes scharfsinniger Reflexion von Macht bildet einen Gegensatz zur monumentalen Dimension der Mittelhalle und bereichert so auch die Diskussion über die bevorstehende Renovierung des Hauses der Kunst

Danner-Preis 2017
12.10.2017 - 07.01.2018

Zeitgenössisches Kunsthandwerk aus Bayern in einem Museum für bildende Kunst: Die Ausstellung zum Danner-Preis 2017 nimmt damit einen wichtigen Aspekt des Programms des Museums Villa Stuck auf, den Austausch zwischen bildender und angewandter Kunst in der Zeit um 1900 und heute. Die Danner-Stiftung, 1920 in München gegründet, gehört zu den renommiertesten Einrichtungen zur Förderung des Kunsthandwerks und verleiht den Danner-Preis im Turnus von drei Jahren für herausragende kunsthandwerkliche Leistungen. Der diesjährige Preisträger Hiawatha Seiffert sowie die vier Ehrenpreisträger stehen im Zentrum der Ausstellung, die zum zweiten Mal im Museum Villa Stuck gastiert. 2017 wird anlässlich des international renommierten Landeswettbewerbs für das Kunsthandwerk in Bayern zum zwölften Mal der Danner-Preis verliehen, eine der bedeutendsten Auszeichnungen in diesem Bereich. Der Wettbewerb fördert neue gestalterische Ideen und Entwicklungen im Kunsthandwerk und steht unter der Schirmherrschaft der Bayerischen Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Ilse Aigner. Eine international besetzte Fachjury vergibt den mit 15.000 € dotierten Preis sowie weitere Förderpreise im Gesamtwert von 12.000 €. Der Danner-Preis 2017 wird an den Metallgestalter Hiawatha Seiffert für seine Objektschale aus zusammengeschweißten und geschmiedeten Maschinenketten verliehen. Vier Ehrenpreise gingen an Christoph Leuner für eine Hohlkörper-Gruppe aus amerikanischem Nussbaumholz, an Michael Becker für eine Lapislazulikette, an Barbara Schrobenhauser für eine zarte Kette aus vielfältig geschichtetem und genietetem Kupfer und an Gisbert Stach für seine Broschenserie in Schnitzelform. Im Laufe seiner 33-jährigen Geschichte hat der Danner-Preis nicht an Attraktivität und Bedeutung verloren – im Gegenteil, das Interesse ist konstant hoch. Am Wettbewerb 2017 haben sich rund 200 Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker beteiligt. In der Ausstellung sind die Arbeiten von 41 Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker aus den Bereichen Schmuck, Keramik, Holz, Gerät, Textil, Glas, Mixed Media und Metall zu sehen. Die Einreichungen der letzten Jahre zeigen, dass die Grenzen zwischen angewandter und freier Kunst zunehmend durchlässiger werden. Auf der Suche nach einer eigenen Formensprache stellen junge Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker zunehmend tradierte Vorstellungen in Frage und nutzen schöpferische Impulse aus anderen Bereichen wie dem Design oder der bildenden Kunst. Der Danner- Preis filtert nicht nur charakteristische Tendenzen der jüngeren Zeit heraus und hebt sie hervor, sondern setzt mit den Entscheidungen seiner hochkarätigen Jury internationale Maßstäbe.

Kids behind the camera. Mach Dir ein Bild
13.10.2017 - 07.01.2018

"Kids behind the Camera. Mach Dir ein Bild“ ist ein Fotografieprojekt, das Kinder in Afrika und deren Umwelt in den Mittelpunkt stellt. Die Kinder sind manchmal Motiv und immer selbst Fotograf. Sie sind es, die sich selbst aussuchen, wen oder was sie wie abbilden. Einmischungen durch Erwachsene sind unerwünscht. Die Idee dazu stammt von der jungen Dortmunder Fotografin Marie Köhler. Die Ergebnisse sind niemals vorher einschätzbar. Weil die "erwachsene“ Regie fehlt, entstehen keine Klischee-Bilder. Fotos aus dem Alltag, von Festen, Handwerkskünsten, Tanz, Theater und Musik sehen auf diese Weise oft überraschend aus, erscheinen niemals in gewohnter Sichtweise. Während eines Fotografieworkshops erhielt jedes Kind eine eigene Kamera. In einem bestimmten Zeitraum konnte es sein Umfeld schrittweise und mit zunehmender Intensität fotografisch erkunden. So entwickelten die Kinder bald individuelle Umgangsweisen mit ihrer Kamera, die zum ständigen Wegbegleiter wurde. Das Ausstellungsprojekt hat das Ziel, erstarrte Sichtweisen aufzubrechen, den Blickwinkel Europas nach Afrika zu weiten und durch Ungewohntes zu ergänzen. "Europa und Afrika sind Nachbarn, die Kinder Nachbarskinder. Sie können einander näher kommen“, sagt Marie Köhler, "wenn sie ein ehrliches Bild voneinander bekommen“.

Charakterköpfe. Griechen und Römer im Porträt
12.07.2017 - 14.01.2018

Homer und Sokrates, Alexander der Große und Augustus, Cicero und Marc Aurel – jede dieser berühmten historischen Gestalten ist uns aus der antiken Geschichte wohl vertraut. Wir bewundern noch heute ihre Taten, wir lesen ihre dichterischen Werke, wir beschäftigen uns mit ihren philoso­phischen Schriften. Aus all dem können wir auch ein Charakterbild ihrer Persönlichkeit zeichnen. Doch steht uns noch ein weiteres Mittel zur Verfügung, sie näher kennenzulernen: ihr Porträt, das teils noch zu ihren Lebzeiten, teils aber auch erst später geschaffen wurde. Es gibt uns in vielen Fällen zweifellos einen Eindruck, wie der Dargestellte wirklich ausgesehen hat. Außerdem aber vermittelt es eine Vorstellung davon, welches Bild sich die antiken Menschen – Zeitgenossen oder auch Nachgeborene – von ihm machten; und, sofern er selbst der Auftraggeber war, welches Image er anstrebte. Antike Porträts können dem Betrachter also beispielhaft wichtige Fragestellungen vor Augen führen, die vielleicht heute aktueller denn je sind. Denn es geht hier schließlich um die Darstellung von Personen des öffentlichen Lebens im Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Die wirklichkeitsnahe Darstellung menschlicher Gesichter zählt zu den großen Leistungen der antiken Bildhauerkunst. So erfuhr die Porträtkunst bei Griechen und Römern ihre erste große Blüte und fand zugleich bereits eine vollendete Form. In der Sonderausstellung der Münchner Glyptothek wird ihre Entstehung und gut 1000 Jahre währende Geschichte vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. beleuchtet. Das Rückgrat der Ausstellung bildet der reiche Schatz des Museums an qualitativ heraus­ragenden antiken Marmorbildnissen. Hochkarätige Leihgaben aus großen archäologischen Sammlungen der Welt ebenso wie aus Privatbesitz ergänzen das durch die Meisterwerke der Glyptothek gezeichnete Panorama.

Mon Oncle
09.12.2016 - 14.01.2018

Die Ausstellung präsentiert ein besonderes Kapitel aus der Geschichte einer ganz besonderen deutschen Familie: die Beziehung nämlich zwischen Heinrich Mann und seinem ältesten Neffen Klaus. Gezeigt werden die Lebensgeschichten zweier Schriftsteller: Heinrich Mann (1871 - 1950), Autor der Romane "Professor Unrat" und "Der Untertan", der in den Jahren der Weimarer Republik zu einem der angesehensten Künstler in Deutschland wurde; und Klaus Mann (1906 - 1949), der seinen Weg als literarisches Enfant terrible in den zwanziger Jahren begann. Dokumentiert werden die Lebenswege von Klaus und Heinrich Mann, die innerhalb der Familie stets für das Unbürgerliche, das Bohèmeleben standen. Sie thematisiert auch die spannungsreiche, komplizierte Beziehung beider zu Thomas Mann, dem Bruder beziehungsweise dem Vater. Und sie spiegelt mit der Familiengeschichte der Manns zugleich ein zentrales Kapitel deutscher Kultur- und Zeitgeschichte.

Revolutionär und Ministerpräsident – Kurt Eisner (1867-1919)
12.05.2017 - 14.01.2018

Das Münchner Stadtmuseum zeigt eine Ausstellung zum 150. Geburtstag von Kurt Eisner (1867 – 1919), dem ersten Ministerpräsidenten Bayerns, der bei einem Attentat am 21. Februar 1919 auf offener Straße erschossen wurde. Im Fokus steht der politische und publizistische Werdegang einer charismatischen, von vielen Seiten vereinnahmten und dadurch auch widersprüchlichen Persönlichkeit. Die biografische Darstellung bildet den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen, mit denen die Landeshauptstadt München den historischen Ereignissen der Jahre 1918 und 1919 nachspürt.

Thea Djordjadze
19.10.2017 - 14.01.2018

Die junge georgische Künstlerin Thea Djordjadze (*1971) erregte mit ihren subtilen Rauminstallationen in den letzten Jahren in der internationalen Kunstszene viel Aufmerksamkeit. Erstmals in ihrem Werklauf wird sie in den Ausstellungsräumen der Staatlichen Graphischen Sammlung München eine Raumarbeit realisieren, in die sie von ihr ausgewählte Blätter aus der Sammlung in einen Dialog mit ihrer Installation setzt. Damit eröffnet sie dem Betrachter neue Räume für wechselvolle Standpunkte und frische Sichtweisen auf klassische Werke auf Papier.

Der Blick nach oben. Rom – Porträt einer Stadt
14.09.2017 - 14.01.2018

Der in Rom lebende Fotograf Stefano Castellani wagt in seinen perspektivisch anspruchsvollen, immer nach oben gerichteten Fotoaufnahmen einen ganz eigenen, neuen Blick auf die Architektur des antiken, mittelalterlichen und modernen Rom. Damit zeichnet er ein ungewöhnliches, ästhetisch reizvolles und stets von Neuem überraschendes Porträt der „ewigen Stadt“. Castellanis Architekturfotographien sollen in der Glyptothek einen wirkungsvollen Kontrast zu den antiken Bildnissen herstellen, die zeitgleich in der großen Sonderausstellung Charakterköpfe. Griechen und Römer im Porträt gezeigt werden. Das Rückgrat dieser Ausstellung bildet der überaus reiche Schatz der Glyptothek an qualitativ heraus¬ragenden antiken Marmorköpfen und -statuen, die durch hochkarätige Leihgaben aus großen archäologischen Sammlungen der Welt ergänzt werden. Den Besuchen soll durch diese Gegenüberstellung von Antike und Moderne, von Skulptur und Fotographie, von Physiognomien und Architekturen ein breitgespanntes Panorama dessen eröffnet werden, was Porträtkunst in Vergangenheit und Gegenwart zu leisten imstande war und ist.

RICOCHET #11 - Hisako Inoue - Die Bibliothek der Gerüche
07.10.2017 - 14.01.2018

Im Rahmen der Reihe RICOCHET zeigt das Museum Villa Stuck die multisensorische Ausstellung "Die Bibliothek der Gerüche" der japanischen Künstlerin Hisako Inoue in den Historischen Räumen. Die Gerüche antiquarischer Bücher stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Inoue hat diese im Vorfeld in Antiquariaten, auf Flohmärkten oder in privaten Bücherregalen ausgewählt. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Buch auf olfaktorischer Ebene, losgelöst von visuellen oder inhaltlichen Werten, erscheint ungewöhnlich, ist doch das gedruckte Buch als Medium wertvoller Inhalte eng mit seiner Gestaltung verbunden. Die Bandbreite der präsentierten Bücher, darunter eine Bibel oder ein "Lustiges Taschenbuch", zeigt die allgemeine Verbundenheit des Menschen mit dem Buch. Haptische, auditive und visuelle Eindrücke unterstreichen diese Beziehung zwischen Mensch und Buch. Die Künstlerin lädt die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung zur Interaktion ein – erst ihre Teilhabe durch Riechen, Hören, Sehen und Tasten vervollständigt die Ausstellung. Ein wichtiges Merkmal der olfaktorischen Wahrnehmung ist ihre enge Verbindung mit Gefühlen und Erinnerungen. Gerüche werden im limbischen System aufgenommen, in dem sich die Hirnstrukturen befinden, die für Gefühle und Erinnerungen zuständig sind. Düfte triggern unser implizites Gedächtnis und können Gemütszustände aufrufen, die um vieles intensiver sind als die durch das Sehen und Hören geweckten. Wenn man einen bestimmten Geruch wahrnimmt, erinnert man sich auch an bestimmte Ereignisse, die sich zugetragen haben, die Forschung spricht in diesem Zusammenhang vom "Proust-Effekt", dessen Bezeichnung auf die "Madeleine-Episode" aus Marcel Prousts Jahrhundertroman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" Bezug nimmt. Hier löst der Geschmack des Gebäcks beim Erzähler neben Glücksgefühlen ein Erlebnis "totaler Erinnerung" aus, das von den Empfindungen aus Kindheitstagen erfüllt ist. Dieser Effekt betont den situativen und episodischen Charakter der Geruchserinnerungen, wodurch der gesamte Kontext, in dem ein Geruch einst wahrgenommen wurde, wieder wachgerufen wird. Auch Hisako Inoue dienen die Gerüche der Bücher als Kommunikationswerkzeuge für Gefühle und Erinnerungen. In Japan gibt es eine traditionsreiche Geruchskultur, die weit zurückreicht. Inoue sieht sich in der Tradition der japanischen Duftzeremonie, eine weltweit einzigartige Form der Duftkultur, die unter dem Namen kōdō bekannt ist, was wörtlich übersetzt "Lauschen auf den Duft" bedeutet. Dabei geht es um die olfaktorische Einführung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in eine Auswahl duftender Hölzer durch den Zeremonienmeister in kontemplativ-meditativer Stimmung. Im Zusammenhang mit kōdō erfolgt das Riechen nach einer speziellen Methode. Kōdō ist eine der drei klassischen japanischen Künste der Verfeinerung und dient der Vervollkommnung der olfaktorischen Wahrnehmung. Hisako Inoue bietet im Rahmen der Ausstellung Workshops an, in denen sie die Methode der Duftzeremonie anwendet. Ihre Geruchskunst sieht sie als Kommunikationsmodell, eine moderne Version der japanischen Duftzeremonie, die individuelle Erinnerungen und Assoziationen der Besucherinnen und Besucher wachruft und ins Gespräch darüber bringt. Ein Anliegen Inoues ist es, den ansonsten vernachlässigten Geruchssinn in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen. Seit langem lässt sich die Missachtung und Abwertung des Geruchs feststellen. Bereits Immanuel Kant schrieb in seiner »Anthropologie in pragmatischer Hinsicht« von 1789 vom Geruchssinn als dem entbehrlichsten aller Sinne. Hisako Inoue (geb. 1974) lebt und arbeitet in Yokohama, Japan. In ihren Ausstellungen legt sie großen Wert auf eine alle Sinne ansprechende Präsentation mit einem besonderen Schwerpunkt auf der olfaktorischen Wahrnehmung. Sie studierte an der Joshibi Universität für Kunst und Design in Kanagawa, wo sie seit 2004 auch als Dozentin tätig ist. Neben ihrer Lehr- und Ausstellungstätigkeit vermittelt sie in Geruchsworkshops Aspekte der Geruchskunst. 2016 war sie mit einem Stipendium im internationalen Künstlerhaus Villa Waldberta der Landeshauptstadt München. Seit 2006 bildet Hisako Inoue mit dem Soundkünstler Takuro Shibayama das Künstlerduo Airplug und seit 2013 arbeitet sie mit der Wissenschaftlerin Dr. Mika Shirasu zusammen, die Gerüche an der Universität Tokio analysiert.

Begegnungen - Skulpturen der italienischen Bildhauerin Isolde Frepoli
23.06.2017 - 17.01.2018

Dialoge mit moderner und zeitgenössischer Kunst sind seit Jahrzehnten ein Anliegen des Ägyptischen Museums. Die Skulpturen von Isolde Frepoli fügen sich in idealer Weise in dieses Programm. Als ob sie für diesen Ort geschaffen wären, stehen ihre Skulpturen inmitten der altägyptischen Kunst. In beiden Werkgruppen werden die Betrachter mit einem auf das Wesentliche reduzierten Menschenbild konfrontiert, das sich unter einer realistisch erscheinenden Oberfläche verbirgt. Isolde Frepoli, geboren 1961 in Savona, Italien, wuchs in Rom auf und übersiedelte nach dem Abitur nach Deutschland. Sie studierte ab 1983 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München und war zwischen 1987 und 1989 erst Meisterschülerin, dann Assistentin bei Prof. Erich Koch. 2005 war sie Lehrbeauftragte an der Universität Bielefeld. Isolde Frepoli arbeitet seit 1990 als freischaffende Bildhauerin und lebt seit 1993 in Schlangen, Nordrhein-Westfalen.

Adolphe Braun. Ein europäisches Photographie-Unternehmen und die Bildkünste im 19. Jahrhundert
06.10.2017 - 21.01.2018

Der Franzose Adolphe Braun (1812-1877) zählt zu den erfolgreichsten Fotografen im Europa des 19. Jahrhunderts. Als ausgebildeter Zeichner arbeitete er zunächst für die elsässische Textilindustrie, bevor er sich 1854 der Fotografie zuwandte. Ab 1860 fotografierte Braun mit seiner großformatigen Kamera die alpinen Landschaften und Städte der Schweiz, die gelegentlich vom Maler Gustave Courbet als Vorlagen für Gemälde verwendet wurden. Neben Tierstudien, Architektur- und Landschaftsdarstellungen konzentrierte sich Braun auf die Kunstreproduktion. Das Unternehmen Braun galt als führend in der Wiedergabe der Tonwerte von Werken der Malerei, Skulptur und Grafik, wie Beispiele aus den bekanntesten europäischen Kunstmuseen in Wien, Florenz, London oder Dresden veranschaulichen. Die Ausstellung präsentiert erstmals sämtliche Tätigkeitsfelder Adolphe Brauns anhand von ca. 200 Originalaufnahmen und Gemälden des 19. Jahrhunderts von Courbet, Fantin-Latour oder Médard.

Aus dem Land des Schneelöwen. Kostbarkeiten aus Tibet 15.–20. Jahrhundert. Die Sammlung Justyna und Michael Buddeberg
09.12.2016 - 28.01.2018

1994 erwarben Justyna und Michael Buddeberg bei ihrem ersten Besuch in Lhasa einen kleinen Sitzteppich. Damit war die Begeisterung für Tibet und seine Kultur geweckt – und der Grundstein für eine große Sammlung gelegt. Tibetische Teppiche und Textilien, die das Paar auf insgesamt 16 Reisen ins zentralasiatische Hochland zusammentrugen, bilden den Schwerpunkt der nun erstmals ausgestellten Sammlung. Ergänzt wurde sie durch gezielte Ankäufe in Europa, Asien und den USA.Teppiche zum Sitzen und Schlafen oder als Ausstattung für Reitpferde spielten in der traditionellen Kultur Tibets eine zentrale Rolle. Sie faszinieren durch die Vielfalt an Formen und Motiven und die Perfektion ihrer Technik. Besonders bezaubern die takyab genannten Knüpfteppiche zum Schmuck der Pferdestirnen. Nicht ohne Grund werden diese Kleinode der Knüpftechnik auch als "Pferdejuwelen" bezeichnet. Die Sammlung Buddeberg umfasst darüber hinaus tibetischen Schmuck, Amulettbehälter sowie bemalte Möbel aus Klöstern und adeligen Haushalten. Bisher von der Forschung weitgehend unbeachtet sind die prachtvoll verzierten Endkappen von Thangka-Stangen. Sie dienten als Griffe, um die bekannten Rollbilder, die Thangkas, auf- oder abzurollen und stellen Meisterwerke tibetischer Metallbearbeitungskunst aus fünf Jahrhunderten dar. Ergänzt wird die Präsentation durch ausgewählte Teppiche aus der Sammlung Karl Steiner, dem Reisebegleiter und Sammlerkollegen von Justyna und Michael Buddeberg.

Gut. Wahr. Schön.
22.09.2017 - 28.01.2018

Im 19. Jahrhundert war der jährliche Pariser Salon die bedeutendste Ausstellung des internationalen Kunstbetriebs. Eine dem klassischen Schönheitsideal verpflichtete Jury bestimmte, welche Künstler teilnehmen durften. Ihre Werke sollten das Gute und Wahre in der Schönheit der Form zum Ausdruck bringen. Anhand von ca. 120 Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und kunsthandwerklichen Objekten zeigt die Ausstellung die französische Salonkunst im Spannungsfeld zwischen antikem Ideal und modernem Leben.

Efrat Natan/Nahum Tevet
26.10.2017 - 28.01.2018

Das Museum Villa Stuck zeigt als erste Institution die Künstler Efrat Natan und Nahum Tevet in einer Gegenüberstellung. Beide begannen ihre Karriere in den 1970er Jahren und sind heute wichtige Figuren in der Kunstlandschaft Israels. Sie verbindet eine lange künstlerische Freundschaft. In differenzierten Werken vereinen sie Ansätze der Konzeptkunst mit einer neuen, einfachen Materialästhetik. Während Efrat Natan ihre feministische Haltung zu einer poetischen Formensprache verdichtet, entwickelt Nahum Tevet monumentale Rauminstallationen, die Erfahrungen von Raum, Begrenzung, Farbe und Form untersuchen. In der Ausstellung werden Frühwerke und Dokumente von gemeinsamen frühen Aktionen zusammen mit späteren Werken präsentiert. Efrat Natan (geb. 1947, lebt in Tel Aviv) setzt sich in ihrem gesamten Schaffen mit ihrer Kindheit im Kibbuz auseinander. Das Aufwachsen in der Gemeinschaft, in der kollektives Eigentum und Gleichheit vermittelt und gelebt werden, übersetzt Natan in verdichtete Zeichen, die Erfahrungen und Werte symbolisieren. Sie eignet sich Materialien oft durch eine starke Körperlichkeit an; sie dreht, reißt und zerrt an Stoffen bis sie unkenntlich werden. Ihre Werke zeichnet eine elementare, fast archetypische Formensprache aus, die eine poetisch-konzeptuelle und emotionale Qualität besitzt. Das Verhältnis vom Objekt zum Raum ist Gegenstand zahlreicher Werke von Nahum Tevet (geb. 1946, lebt in Tel Aviv). Seine Installationen stehen in der Tradition der Konzeptkunst und der Minimal Art. Tevet verwendet einfache, alltägliche Materialien wie Sperrholz oder Klebestreifen, um die Grenze zwischen Kunst und realem Leben zu hinterfragen. In den 1970er Jahren setzte er dieses Anliegen in seinen Works on Glass (1972–1975) um. Das Glas des Rahmens, welches das Kunstobjekt schützen soll, wird zum Objekt der Betrachtung transformiert – eine radikale Geste, die den Einfluss von Marcel Duchamps und Robert Rauschenberg belegt. Seine Rauminstallationen eröffnen verschiedene Wahrnehmungs- und Begehungsmöglichkeiten, etwa im Hauptwerk Seven Walks (1997–2010). Farbe und Form verbinden sich zu einem Ensemble, zu skulpturalen Installationen, die durch den Betrachter aktiviert werden und dadurch die Position des Betrachters im Raum auch im übertragenen Sinn hinterfragen. So unterschiedlich die ästhetische Erscheinung der Werke der beiden Künstler ist, findet man eine formelle Übereinstimmung, da Natan wie Tevet Elemente und Materialien des Alltagslebens einbeziehen. Natans persönliche Mythologien und Tevets Untersuchungen vom Verhältnis des Individuums zum Raum öffnen die Auseinandersetzung hin zu Fragen nach gesellschaftlichen Werten.

FORUM 044: Jenny Schäfer – Liste: Neues Wasser
08.12.2017 - 04.02.2018

Wasser wird vom Bedürfnis zum Begehren. Es wird gestaltet und verkauft. Über die Ambivalenz von Wasser geht es in der künstlerischen Recherche von Jenny Schäfer. Der Zusammenhang zwischen einer Ästhetik des Wassers im kapitalistischen System und der dem Wasser inhärenten Romantik, Kraft und Faszination wird durch Fotografien, Zeichnungen und Objekte formuliert.

Falconette - Beizjagd & Kunst
12.09.2017 - 06.02.2018

Die Kunst der Falknerei und Falknerei als Kunst sind die zentralen Themen von Hara Walther. Trophäen ihrer Beizjagd, Federn und Materialien der Jagd, gestaltet sie zu Kunstobjekten, die auch eine Einladung an den Betrachter sind, sich für die Beizjagd zu begeistern. Eine Kunst, die den Greifvogel - den König der Flieger - dazu bringt, über seine angeborenen Fähigkeiten hinauszuwachsen und dem Falkner selbst in der Partnerschaft mit seinem fliegenden Gefährten neue Impulse zuführt, die einem ausschließlich erdgebundenen Menschen verschlossen sind. Die Objekte, die dabei entstehen betitelt Hara Walther "Trophäen", Siegeszeichen. Sie sind vieldeutig: Jagdtrophäen der Falknerin und zugleich Artefakte, die die Künstlerin neu interpretiert und in ihren Werken verarbeitet. In der Ausstellung im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum zeigt Walther neue Objektkästen und präsentiert ihr zentrales Werk FALCONETTE: Eine Schule für Kunst und Falknerei, in der auch Kinder spielend in den Umgang mit diesen faszinierenden, fliegenden Wesen eingeführt werden. Die Ausstellung bietet einen spannenden Einblick in die Falknerei und den Umgang mit den faszinierenden Greifen. Neben den rein künstlerischen Werken von Hara Walther werden auch Filmausschnitte aus ihrer Falkenschule gezeigt.

Die zwei Leben des Pergamonaltars
11.10.2017 - 09.02.2018

Seit seiner Entdeckung zieht der Pergamonaltar Archäologen und Künstler in seinen Bann. Die Ausstellung vereint beide Formen der Annäherung an die Antike: Die Archäologie möchte die Antike verstehen, die Kunst sie in ihrer Ganzheit erfahrbar machen. Gemeinsam tragen beide zum Fortleben des Pergamonaltars bei. Nach dem Puschkin-Museum in Moskau sind die Arbeiten des russischen Pantomimen und Fotokünstlers Andrey Alexander nun erstmals in Deutschland zu sehen. In einer Fotoinstallation rekonstruierte er alle Figuren des über 30 Meter langen Ostfrieses in Originalgröße. Doch wer ließ den Altar erbauen? Und was bedeutete der Götter-Giganten Fries des Pergamenern? Ergänzt durch zahlreiche Gipsabgüsse von Stücken aus Pergamon erzählt die Ausstellung, was Archäologen über den großen Altar herausgefunden haben.

Nie wieder. Schon wieder. Immer noch. Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945
29.11.2017 - 18.02.2018

Die Ausstellung zeigt Entwicklungs­linien, Ereignisse und Akteure der extremen Rechten seit 1945 auf. München und Bayern stehen dabei im Mittelpunkt. Aus welchen Elementen setzt sich die menschen­feindliche und antidemokratische Ideologie des Rechtsextre­mismus zusammen? Inwieweit sind einzelne dieser Elemente auch für die gesell­schaftliche Mitte anschlussfähig?

Seth Price - Social Synthetic
21.10.2017 - 18.02.2018

Das Museum Brandhorst präsentiert die international erste Überblicksausstellung des US-amerikanischen Künstlers Seth Price. Die mehr als 150 Werke umfassende Ausstellung zeigt Skulpturen, Filme, Fotografien, Zeichnungen, Malerei, Video, Kleider und Textilien, Web-Design, Musik und Dichtung. Programmatisch dringt Price in Territorien jenseits der bildenden Kunst vor, indem er die Produktions- und Vertriebsformen der Musikindustrie, der Modewelt und des Literaturbetriebs aufgreift und nutzt. Dabei beschäftigt er sich mit den fundamentalen Veränderungen der visuellen Kultur, die mit der flächendeckenden Etablierung digitaler Medien einhergehen. "Seth Price – Social Synthetic" ist eine Kollaboration des Museum Brandhorst mit dem Stedelijk Museum Amsterdam, wo die Ausstellung vom 15. April bis 3. September 2017 zu sehen sein wird. Eine neue Werkserie schließt die im Jahr 2000 einsetzende Präsentation der vielseitigen und einflussreichen Praxis von Seth Price ab.

Keramik aus England
25.07.2017 - 18.02.2018

Keramik hat in Großbritannien eine lange Tradition, sowohl was die industrielle als auch die handwerklich und künstlerische Fertigung betrifft. Die Geschichte der modernen Studiokeramik wäre ohne die Arts-and-Crafts-Bewegung und den daraus hervorgegangenen Kunsttöpfereien, wie etwa derjenigen von William De Morgan im 19. Jahrhundert oder der Ruskin Pottery, zu Beginn des 20. Jahrhunderts schwer vorstellbar. Mit William Staite Murray und Bernard Leach, der 1920 von einem längeren Aufenthalt in Japan zurückgekehrt war, begann eine Entwicklung, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Schaffen von Lucie Rie und Hans Coper einen ersten Höhepunkt erreichte. Wichtige Impulse kamen um 1960 durch den vermehrten Einsatz von bisher in der Keramik kaum verwendeter Techniken: Statt auf der traditionellen Töpferscheibe zu drehen, formte man die Objekte mit der Hand, wickelte, walzte, baute oder montierte. Damit war der Bann gebrochen für die Studiokeramik in all ihrer Vielfalt, wie sie für die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts charakteristisch werden sollte. In keinem anderen europäischen Land entstanden derartig experimentelle, fantasievolle, unterschiedliche künstlerische Ansätze verfolgende und technisch hervorragend ausgearbeitete Keramiken wie in Großbritannien. Ihr Spektrum reicht von den malerischen Dekoren Janice Tchalenkos oder John Maltbys, den Salzglasuren Jane Hamlyns über die Flügelvasen Colin Pearsons bis zu den fantastischen „Landschafts“-Dosen Ian Godfreys und den Plastiken Jill Crowleys oder Jacqueline Poncelets. Dass Die Neue Sammlung eine derartig große Anzahl an englischer Keramik aus dem eigenen Besitz zeigen kann, verdankt sie der Großzügigkeit des Kölner Sammlers Adolf Egner (1932-2010), dessen Schenkung an europäischer Keramik erheblich zur Erweiterung des eigenen Bestandes beigetragen hat. Egner hatte seine zahlreichen Reisen nach England immer wieder mit dem Besuch einzelner Keramikwerkwerkstätten verknüpft und so im Lauf der Jahre eine bemerkenswerte Sammlung englischer Keramik aufgebaut, die jetzt in einer Auswahl und ergänzt mit anderen Werken der Neuen Sammlung im Internationalen Keramik-Museum in Weiden zu sehen ist.

Araki. Tokyo
27.10.2017 - 04.03.2018

Der Japaner Nobuyoshi Araki (*1940) zählt zu den wohl produktivsten aber auch provokativsten Fotografen unserer Zeit. Araki eignet sich die ihn umgebende Welt seit den 1960er Jahren tagtäglich und obsessiv mit Hilfe des Mediums Fotografie an, eine Aneignung, die mittlerweile in fast 400 Büchern Niederschlag gefunden hat. Sein künstlerisches Werk umspannt ein vielfältiges Spektrum an Themen, von hocherotischen Frauendarstellungen, die international großes Aufsehen erregten, über artifizielle Stillleben, Pflanzenfotografien, reportagehaft anmutende Alltagsdarstellungen und Architekturaufnahmen bis hin zu sehr persönlichen, fast tagebuchartigen Fotografien von sich und seiner früh verstorbene Frau Yoko. Die aus 28 Diptychen bestehende Arbeit Tokyo (1969-1973) bildete die Originalvorlage für eines der ersten Buchprojekte Arakis, das in kleiner Auflage 1973 erschien und am Beginn seiner intensiven, bis heute andauernden Auseinandersetzung mit dem Lebens- und Stadtraum von Tokyo steht. In dieser frühen, noch konzeptuell ausgerichteten Arbeit kombiniert Araki Momentaufnahmen namenloser Passanten, die er an belebten Straßenkreuzungen beobachtete, mit den erotischen Selbstinszenierungen einer jungen Frau, die in anspielungsreichen Posen in Szene gesetzt ist. Die Kombination aus Straßenfotografien und den Aufnahmen eines nackten Frauenkörpers bedeuten für Araki bis heute die adäquate Form, seine Heimatstadt zu beschreiben, eine Verbindung, die sein gesamtes fotografisches Werk kennzeichnet. Die Gegensätze zwischen anonym und vertraut, bekleidet und nackt wie Innen- und Außenwelt fungieren als subtile Verweise auf die Trennung zwischen öffentlicher und privater Lebenswelt, zwischen Traum und Wirklichkeit. Die Passanten erscheinen wie der Betrachter in der Rolle der anonymen Zuschauer und spiegeln den voyeuristischen Blick auf den nackten Körper der Frau.

Veranstaltungskalender

< Oktober - 2017 >
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